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Begriffe und methoden der bevölkerungsstatistik

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Man unterscheidet die Statistik des Bevölkerungsstandes 1 und die Statistik der Bevölkerungsbewegung 2. Die erstere erfaßt die Bevölkerung statisch, in einem gegebenen Zeitpunkt, und stutzt sich hauptsächlich auf konkrete „statistische Einheiten” (110-1): Personen, Haushalte usw., die letztere registriert die beständigen Änderungen, denen die Bevölkerung unterliegt, und bezieht sich im wesentlichen auf abstrakte statistische Einheiten in Gestalt von Ereignissen 3 (Geburten, Eheschließungen, Wohnsitzänderung usw.), die in bestimmten Zeitabschnitten vorgefallen sind. Sie dient der Erkenntnis der Bevölkerungsentwicklung 4, häufig auch Bevölkerungsdynamik 4 genannt. Die „Volkszählungen” (202) sind die häufigste Erkenntnisquelle für den Bevölkerungsstand 5. Die „Statistiken der Standesämter” (211) liefern in der Regel Unterlagen für die Erfassung der Bevölkerungsbewegung 6 (allgemeine Bevölkerungsbewegung 6, 701). Sie behandeln indessen nur die natürliche Bevölkerungsbewegung 7, d. h. die Veränderungen in einer Bevölkerung ohne Berücksichtigung der räumlichen Bevölkerungsbewegung (803-1). Dementsprechend muß die „Wanderungsstatistik” (804-1) auch zur „Statistik der Bevölkerungsbewegung” gerechnet werden.

  • 6. In der Demographie ist das Wort Bewegung häufig synonym mit Änderung, mag es sich um eine Änderung im Raume („Wanderungsbewegung”, 801-1} oder um eine Größenänderung in der Zeit handeln. Im letzteren Sinne ist „Bewegung” hier gemeint, wenn man von der „Bewegung” der Geburten, der Sterbefälle usw. spricht.

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Die Volkszählungen 1 verfolgen den Zweck, für einen bestimmten Zeitpunkt Angaben über den „Bevölkerungsstand” (201-5) zu erhalten. Meistens wird die Gesamtbevölkerung eines Landes gleichzeitig gezählt. Man spricht dann von einer allgemeinen Volkszählung 2. Bisweilen kommt es vor, daß die Volkszählungserhebungen auf einen Teil der Einwohner (oder einen Teil des Gebietes) beschränkt werden, man spricht dann von einer Teilvolkszählung 3. Auf jeden Fall bedeutet der Ausdruck „Zählung” eine vollständige Erhebung 4, d. h. es werden die Angaben über jede Person, die der Bevölkerung oder dem ins Auge gefaßten Bevölkerungsteil zugehört, erhoben. Man darf daher „Teilvolkszählungen” nicht mit Stichprobenerhebungen 5 (160) verwechseln. Um das Verfahren von Volkszahlungen zu erproben, wird manchmal eine Probeerhebung 6 (Vorerhebung 6) vorgenommen.

  • 1. Zählung, S. f. — zahlen, V. t.
    Die modernen Volkszählungen entsprechen dem, was man früher Kopfzählungen (110-2) nannte. Man verstand damals unter Zählung jede zahlenmäßige Feststellung, mochte sie noch so ungenau sein, beruhend auf irgendeinem Zählvorgang (203-1). Eine „Zählung der Bevölkerung” konnte z. B. auf einer Zählung der „Taufen” (211-3*) oder der „Begräbnisse” (211-5*), die während einer Reihe von Jahren registriert waren, beruhen, oder Zählungen der „Herdfeuer” (110-3) in den Pfarrsprengeln.
  • 5. u. 6. Stichprobe, S. f. — Erhebung, S. f. — erheben, V. t.

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Der Zählungsvorgang 1 hat den Zweck, eine vollständige Übersicht über eine Gesamtheit zu liefern. Er unterscheidet sich von der bloßen Auszählung 2 dadurch, daß diese meist die Anlegung einer Liste 3 voraussetzt. Unter Enquete 4 (Rundfrage 4) versteht man ein Verfahren, bei dem ein begrenzter, sachverständiger Personenkreis zur ausführlichen Äußerung über spezielle Verhältnisse veranlaßt wird. Im allgemeinen werden nicht nur zahlenmäßige Auskünfte verlangt. Bei der direkten Befragung 5 (Befragung an Ort und Stelle 5, Feldbefragung 5) werden die Angaben durch eine mündliche Befragung 6 der Auskunftspersonen gewonnen. Bei der Postbefragung 7 (Befragung im Korrespondenzweg 7) wird den zu befragenden Personen („Zielpersonen”, 204-1) ein Fragebogen durch die Post zugeschickt mit der Bitte, ihn ausgefüllt zurückzusenden. Bei „Zählungen” (202-1*) wird die Auskunft entweder unmittelbar durch Zähler in die Zählpapiere eingetragen oder durch Selbstzählung 8 (Selbstausfüllung 8) der „Befragten” (204-1*) gewonnen.

  • 2. Auszählung, S. f.
  • 4. Enquete, Rundfrage, Befragung, S. f. — befragen, V. t.
  • 6. Die im deutschen Schrifttum verwendeten, aus dem Englischen unübersetzt übernommenen Ausdrücke „Interview” für Befragung und „Interviewer” für Befrager wären aus Gründen der Sprachdisziplin zu vermeiden, da durchaus gleichwertige, die Sache genau ausdrückende deutsche Bezeichnungen verfügbar sind.

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Man nennt die Person, die Gegenstand einer „Volkszählung” (202-1) oder einer Befragung durch Befrager (insbesondere bei Stichprobenerhebungen oder „Enqueten”, 203-4) ist, die gezählte Person 1 (Zielperson 1, erfaßte Person 1, Zensit 1). Die mit der Sammlung der Auskünfte betrauten Personen werden Zähler 2(Erhebungsorgane 2), bei Stichprobenerhebungen und Enqueten Befrager 2 genannt. Die Zähler arbeiten meist unter der Aufsicht von Oberzählern 3 (Zählungskontrolleuren 3, in Osterreich Zählungskontrolloren 3). Die allgemeinen Volkszählungen werden gewöhnlich vom staatlichen statistischen Amt 4 durchgeführt.

  • 1. Die befragte Person ist diejenige natürliche Person, die die Auskünfte über die zu ermittelnden Tatbestande erteilt.
  • 2. Zur Benützung der Bezeichnungen Interview und Interviewer siehe 203-6*.
  • 4. Die entsprechenden Ämter heißen: in der Bundesrepublik Deutschland „Statistisches Bundesamt” und „Statistisches Landesamt”, in Österreich „Statistisches Zentralamt” und in der Schweiz „Eidgenössisches Statistisches Amt”.

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Die Zählungen sind gewöhnlich verpflichtend 1 (verbindlich 1, stehen unter Auskunftspflicht 1). Trotzdem ist es notwendig, bei der Mehrzahl der Gliederungen eine Gruppe „ohne Angabe” (230-8) hinzuzufügen für diejenigen Fälle, in denen eine Antwort nicht erhältlich war. Bei gewissen auf Freiwilligkeit beruhenden Erhebungen 2 kann das Problem der Nichtbeantwortung 3 bedeutsam werden. Das trifft besonders für „Posterhebungen” (203-7) zu, bei denen eine Mahnung 4 (oder Wiederholung der Befragung 4) durch Postsendung oder Besuch in der Wohnung notwendig wird. Die Nichtbeteiligung der ausfallenden Personen 5 kann auf Verweigerung 6 der Mitarbeit an der Erhebung, aber auch auf Abwesenheit 7 zur Zeit des Besuches des „Befragers” (204-2) beruhen.

  • 1. Das Korrelat zur „Auskunftspflicht' ist der Auskunftsschutz (Zusicherung absoluter Geheimhaltung) — verpflichtend, P. Pr., von verpflichten, V. t. — Verpflichtung, S. f., Pflicht, S. f. — auskunfts-pflichtig, Adj.
  • 5. ausfallen, V. i. - Ausfall, S. m.
  • 6. Verweigerung, S. f. — verweigern, V. t.
  • 7. Abwesenheit, S. f. — abwesend, Adj.

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Die bei der Erhebung demographischer Angaben gebräuchlichen Vordrucke 1 (Formblätter 1, Formulare 1) haben verschiedene Namen erhalten. Bei kleinerem Format spricht man von Zählblättern 2, bei größeren von Zählungsbogen 2 (Er-hebungsbogen 2). Für beide ist auch die Bezeichnung Fragebogen 3 üblich. Sie werden entweder von dem Befragten selbst ausgefüllt 4, oder die Zählorgane tragen die Angaben 5 (Auskünfte 5) der Befragten oder die Tatbestände 6 ein, die sie aus den (nicht für spezielle statistische Zwecke gedachten) Unterlagen erheben 7 (202-5* u. 6*).

  • 1. Formular, Formblatt, S. n.
  • 4. ausfüllen, V. t. — Ausfüllung, S. f.
  • 5. Angabe, S. f. — angeben, V. t.

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Die üblichen „Formblätter” (206-1) bei „Volkszählungen” (202-7) sind: Das Individualzählblatt 1, in das die Angaben für je eine Person eingetragen werden, der Haushaltsbogen 2 (Haushaltsliste 2), wenn die Eintragungen für die einzelnen Personen eines „Haushaltes” (110-3) in Listenform erfolgen, die namentliche Liste 3, in die der „Zähler” (204-2) alle von ihm erfaßten Personen mit den sie betreffenden Angaben der Reihe nach einträgt, Anstaltslisten 4 für die Zählung der in Anstalten (z. B. Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kasernen, Gefängnissen) untergebrachten Personen und des Personal von Hotels („Anstaltshaushalte”, 110-5).

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