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Bevölkerungsstand

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301

Das Studium des „Bevölkerungsstandes” (201-5) befaßt sich mit der „Zahl” (101-6) der Bevölkerung nach dem Standort 1 und ihrem „Aufbau” (Gliederung, Zusammensetzung, Struktur, 144-4). Jede Bevölkerung lebt auf einem bestimmten Gebiet 2, und man untersucht ihre örtliche Verteilung 3 (geographische Verteilung 3, räumliche Verteilung 3).

302

Das „Gebiet” (301-2), auf dem eine Bevölkerung lebt, kann nach verschiedenen Gesichtspunkten in Gebietsteile 1 gegliedert werden. Die Bevölkerungsstatistiken halten sich meist an die Verwaltungseinheiten 2 (administrative Einheiten 2), aber man betrachtet auch die Verteilung der Bevölkerung nach Gebieten 3 (dies in etwas anderem Sinne gebraucht als 301-2, Räumen 3, Regionen 3) und Zonen 4, die nach verschiedenen, z. B. geographischen, wirtschaftlichen oder soziologischen Gesichtspunkten gebildet werden. Die Ausdrücke „Gebiet”, „Raum” und „Zone” können auf Flächen sehr verschiedener Größe angewandt werden. So kann der Ausdruck Naturraum 5 (natürliches Gebiet 5) ein kleines Gebiet bedeuten, das eine geographische Einheit darstellt, aber auch eine ausgedehnte klimatische Zone. Das Gebiet eines Landes kann in Wirtschaftsgebiete 6 (Wirtschaftsräume 6, Wirtschaftsregionen 6) eingeteilt werden. Diese können dann mehrere Verwaltungseinheiten umfassen, sie brauchen sich aber nicht mit der üblichen Verwaltungseinteilung zu decken. Für „aire naturelle” bzw. „natural area” der französischen bzw. englischen Fassung (302-7) besteht im Deutschen kein entsprechender Begriff.

303

Verwaltungseinteilung und Bezeichnung der Verwaltungseinheiten sind von Staat zu Staat verschieden. Einzelheiten über den Verwaltungsaufbau in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind u.a. den amtlichen statistischen Quellen, besonders auch den jeweiligen statistischen Jahr- und Handbüchern, zu entnehmen.

304

Eine Bevölkerung wird seßhaft 1 genannt, wenn sie in festen Wohnsitzen lebt, nomadisch 2, wenn sie von einem Orte zum anderen zieht, halbnomadisch 3, wenn sie nur einen Teil des Jahres in festen Wohnsitzen verbringt. In manchen Ländern werden Teile des Gebietes als Reservation 4 bestimmt, wo weniger entwickelte Volksgruppen nach ihrer althergebrachten Lebensart weiterleben können.

  • 1. seßhaft, Adj. — Seßhaftigkeit, S. f.
  • 2. nomadisch, Adj. — Nomade, S. m. — Nomadentum, S. n. 4. Reservation, S. f. — reservieren, V. t.

305

Beiden hier folgenden Begriffen muß größte Vorsicht walten, da bei manchen Wörtern, die einander in verschiedenen Sprachen der Form nach entsprechen, die Begriffsinhalte verschieden oder die Wörter selbst mehrdeutig sind.


Land 1 bedeutet im Deutschen zunächst ein abgegrenztes „Gebiet” (301-2), das nicht notwendigerweise eine Verwaltungseinheit sein muß. Vielfach wird es synonym mit Staat 3 gebraucht, wobei eher das Geographische als das Politische betont wird. In der Bundesrepublik Deutschland und im Bundesstaat Österreich versteht man im politischen Sinne unter „Land'' die „Gliedstaaten” (305-5) des „Bundesstaates” (305-4), z. B. Land Hessen, Land Tirol. Volk 2 bedeutet eine Gemeinschaft von Personen, die auf Grund gleicher Sprache, Kultur, Sitte oder gleichen Schicksals ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entwickelt haben. „Staat” ist die politische Organisationsform, die souverän nach innen wie selbständiges Völkerrechtssubjekt nach außen ist. Eine Sonderform ist der Bundesstaat 4, bestehend aus Gliedstaaten 5, die gewisse Souveränitätsrechte, vor allem das Recht auf eigene Außenpolitik, an den Gesamtstaat abgetreten haben.
Die Bezeichnung Territorium 6 hat zunächst die allgemeine Bedeutung „Gebiet” (301-2), daneben aber auch noch die Nebenbedeutung einer politischen Gebietseinheit, die erst jüngst kolonisiert oder besiedelt wurde. Nach dem Grade ihrer Selbstverwaltung unterscheidet man autonome Territorien 7 und nicht autonome Territorien 8, wobei die Begriffe „autonom” und „Autonomie” je nach dem Umfang der gewährten Selbstverwaltung schwanken.

  • 1. In einem anderen Sinn wird Land, S. n., im Gegensatz zu „Stadt” (306-4) gebraucht. Das Adj. dazu ist ländlich, zu Land im obigen Sinn dagegen landschaftlich. Das entsprechende Adj. zu Land als Gliedstaat wäre ländisch, doch ist diese Form nicht gebräuchlich und kommt nur in Komposita wie inländisch, ausländisch, vaterländischvor. — „Land” wird auch im Sinne von Landschaft verwendet.
  • 2. Volk, S. n. — Ein „Volk”, von dem mindestens der Kern staatlich organisiert ist, bezeichnet man als Nation, S. f., im Gegensatz zur angelsächsischen und romanischen Bedeutung des Wortes „nation”. Die zugehörigen Adj. national und besonders völkisch haben häufig eine politische Färbung, indem sie Parteien bezeichnen, die den Volksgedanken in den Vordergrund ihrer Parteiprogramme stellen. Dagegen ist das Adj. volklich neutral.
  • 3. Staat, S. m. — staatlich, Adj.
  • 6. Territorium, S. n. — territorial, Adj.
  • 7. autonom, Adj. — Autonomie, S. f.

306

Unter Agglomeration 1 versteht man eine zusammenhängend besiedelte Fläche 1. Das Wort Ort 1 (Ortschaft 1, Siedlung 1, Wohnplatz 1) wird meist für Agglomerationen geringeren Ausmaßes verwendet. Ein Flecken 2 (Häusergruppe 2, Rotte 2, Bauernschaft 2, Weiler 2), ist eine aus nur wenigen Häusern bestehende Siedlung. Das Dorf 3 ist die wichtigste ländliche Siedlung. Eine Stadt 4 ist eine Siedlung meist größeren Ausmaßes mit besonderer Rechtsform. Man unterscheidet zwischen ländlicher Siedlung 3 und städtischer Siedlung 4. Die Stadt, in der die Regierung oder Regionalverwaltung ihren Sitz hat, heißt Hauptstadt 5. Die wichtigste Siedlung eines „Gebietsteils” (302-1) heißt sein Hauptort 6 (Vorort 6). Manche Städte sind in Verwaltungsbezirke 7 eingeteilt.

  • 1. Agglomeration, S. f. — sich agglomerieren, V. i.
    Siedlung, S. f. — Siedler, S. m. — siedeln, V. i. — besiedeln, V. t.
  • 3. Dorf, S. n. — dorflich, Adj. dagegen dörfisch, Adj. meist verächtlich gebraucht. Das Adjektivum „dörflich” wird meist durch Zusammensetzung mit „Dorf” umschrieben, z. B. „Dorfkultur”.
  • 4. Stadt, S. f. — städtisch, Adj.
  • 6. Vorort, S. m., nicht zu verwechseln mit „Vorstadt” (307-3) (Außenbezirk einer größeren Stadt).

307

„Städtische Agglomerationen” (306-1 bis 4) entwickeln sich häufig durch Zusammenwachsen benachbarter Orte, die einen Teil ihrer städtischen Funktionen an die vielgemeindliche Agglomeration 1 abgeben, verwaltungsmäßig aber selbständig bleiben. Sie bestehen dann aus einem Stadtkern 2 mit zentralen und Vorstädten 3 mit speziellen Funktionen. Von Konurbation 4 spricht man, wenn die beteiligten Gemeinden auch ihre städtischen Funktionen ganz beibehalten. Oft wird der Begriff Agglomeration auch im Sinne von Konurbation gebraucht.

  • 1. bis 4. Stadtregionen sind städtische Agglomerationsräume, die sich im Wirkungsbereich größerer Städte entwickeln (in den USA entsprechen sie dem Begriff „Metropolitan Areas”, in Großbritannien dem der „Conurbation”, wobei hier auch ein enger baulicher Zusammenhang der Teilgebiete gefordert wird). Sie umfassen die Kernstadt, die verstädterten Randgebiete und das Umland, soweit dessen Bevölkerung überwiegend nichtlandwirtschaftliche Berufe ausübt.

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