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Allgemeines

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Die Demographie 1 (Bevölkerungswissenschaft 1, Bevölkerungslehre 1) ist die Wissenschaft, die sich hauptsächlich in quantitativer Betrachtung mit dem Studium menschlicher Bevölkerungen befaßt: Zahl (Umfang), Gliederung nach allgemeinen Merkmalen (Struktur) und Entwicklung. Dem englischen und französischen Sprachgebrauch folgend wird im Deutschen die Bezeichnung Population 2 gelegentlich für eine beliebige, aber zumeist belebte Gesamtheit gleichartiger Fälle gebraucht, dieses Wort ist dann synonym mit Gesamtheit 2, Masse 2, Kollektiv 2. Dagegen bleibt der Ausdruck Bevölkerung 3 in aller Regel einer Gesamtheit von Personen, Bewohnern 4 (Einwohnern 4) eines bestimmten Gebietes, manchmal sogar einem besonderen Teil dieser Gesamtheit (z.B. Bevölkerung im Schulalter oder im erwerbsfähigen Alter), vorbehalten. Dann handelt es sich aber, genau gesprochen, um eine Teilbevölkerung 5 (Bevölkerungsgruppe 5), in ungenauer Ausdrucksweise wird der Ausdruck Bevölkerung nicht im hier (101-3) gebrauchten Sinne, sondern im Sinne von Bevölkerungszahl 6 verwendet.

  • 1. Demographie, S. f. (Bevölkerungswissenschaft, S. f., Bevölkerungslehre, S. f.) — demographisch, Adj. (bevölkerungswissenschaftlichh, Adj.) — Demograph, S. m. (Bevölkerungswissenschaft(l)er, S.m.).
    Das Adjektivum demographisch u. dgl. wird im Zusammenhang mit Substantiven durch „Bevölkerungs-” als Bestimmungswort in dem zu bildenden zusammengesetzten Wort ersetzt, z. B. „Bevölkerungsprobleme” statt „demographische Probleme”.
  • 3. Der Ausdruck „Bevölkerung” wird im Deutschen entsprechend dem ursprunglichen Wortsinn auch als Gegensatz zu „Entvölkerung” im Sinne von Besiedlung gebraucht. Zugehörige Adjektiva: bevölkert — entvölkert.
  • 4. Bewohner (Einwohner), S. m. — bewohnen, V. t.

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Man kann im Bereich der „Demographie” (101-1) mehrere große Disziplinen unterscheiden, von denen einige besondere Bezeichnungen erhalten haben. Die deskriptive Demographie 1 (Bevölkerungsbeschreibung 1) behandelt Umfang, geographische Verteilung, Aufbau (Struktur) und Entwicklung der „Bevölkerungen” (101-3), hauptsächlich gestützt auf Bevölkerungsstatistiken 2 — Zahlentabellen, die mit Hilfe der „Bevölkerungsstatistik” (Ez., 130-1) erarbeitet werden. Dagegen betrachtet die theoretische Demographie 3, auch reine Demographie 3 genannt, die Bevölkerungen von einem allgemeinen, abstrakten Gesichtspunkt, indem sie die formalen Beziehungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungserscheinungen darstellt. Der Ausdruck demographische Studie 4 wird häufig gebraucht, um eine spezielle Arbeit, die den Charakter einer „demographischen Analyse” (102-3*) trägt, zu kennzeichnen.
Die Gesamtheit der vorgenannten Wissenschaftszweige wird oft mit dem Ausdruck quantitative Demographie 5 bezeichnet. Das schließt nicht aus, daß sich auch die in den folgenden Paragraphen (103 und 104) behandelten Zweige der Demographie häufig einer zahlenmäßigen Betrachtung bedienen.

  • 3. Zwischen der „deskriptiven” und der „theoretischen Demographie” liegt die demographisdie Analyse (105-2), die die demographischen Erscheinungen an konkreten Bevölkerungen studiert.
  • 4. Das Studium der demographischen Konjunktur («conjoncture démographique») unternimmt es, die jeweiligen aktuellen Entwicklungstendenzen der Bevölkerung im Zusammenhang mit der Gesamtentwicklung zu erfassen.

103

Die „Demographie” (101-1) umfaßt auch das Studium der Beziehungen zwischen den demographischen Erscheinungen einerseits und den wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen (sozialen) Erscheinungen andererseits; um diese Zweige der Demographie zu benennen, werden die Bezeichnungen Wirtschaftsdemographie 1 und Gesellschaftsdemographie 2 gebraucht. Die qualitative Demographie 3 befaßt sich hauptsächlich mit der Verteilung qualitativer (artmäßiger) Merkmale—geistiger, körperlicher, sozialer usw. —in den Bevölkerungen und umfaßt im wesentlichen die genetische Demographie 4 (Genetik der Bevölkerung 4, Populationsgenetik 4, Humangenetik 4). Die soziale Ökologie 5 untersucht die Zusammenhänge der menschlichen Gemeinschaften mit der Umwelt. Die Biometrie 6 stellt die Statistik in den Dienst der biologischen Forschung. Die beiden letztgenannten Wissenschaftszweige weisen starke Überschneidungen mit der Demographie auf.

  • 3. An Stelle von „qualitative Demographie” wird in ähnlichem Sinne „Sozialanthropologie” gebraucht.
  • 4. Genetik, S. f. — genetisch, Adj. — Genetiker, S. m.; Vertreter der Genetik. Die „Populationsgenetik” ist nicht zu verwechseln mit „Humangenetik”. Diese untersucht die Übertragung der „Erbmerkmale” (910-3} beim Menschen, während jene sich mit der Verteilung dieser Merkmale in den Bevölkerungen befaßt.
  • 5. Ökologie, S. f. — ökologisch, Adj. — Ökologe, S. m.: Vertreter der Ökologie.
  • 6. Biometrie, S. f. — biometrisch, Adj. — Biometriker, S. m.: Vertreter der Biometrie.

104

Die „Demographie” (101-1) umfaßt schließlich diejenigen demographischen Lehren 1 (Bevölkerungslehren 1, Bevölkerungstheorien 1), die sich zum Ziele setzen, auf Grund wirtschaftlicher, soziologischer oder anderer Erwägungen die Entwicklung der demographischen Erscheinungen vorauszusagen und ihre Folgen ins Licht zu rücken. Diese Lehren können möglicherweise als Grundlage für eine Bevölkerungspolitik 2 (930) dienen. Aufgabe der Demographie ist es auch, die Wirkung bevölkerungspolitischer Maßnahmen festzustellen.

  • 1. Der Ausdruck Bevölkerungstheorie (Ez.) wird manchmal auch für »theoretische Demographie4 (102-3) gebraucht.

105

Die Bevölkerungsgeschichte 1 behandelt Stand und Entwicklung der Bevölkerung in der Vergangenheit.
Unter analytischer Demographie 2 wird oft derjenige Teil der „theoretischen Demographie” (102-3) verstanden, der sich der mathematischen Analysis bedient. Vorzuziehen wäre allerdings der Ausdruck mathematische Demographie 3. Eine zeitgenössische demographische Schule versteht unter potentieller Demographie 4 die Theorie der „Lebenspotentiale” (433-6) und ihrer Anwendung.

* * *

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